Das Geheimnis von Dundee

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Ein auffällig moderner Bahnhof empfängt mich in Dundee. Von Perth aus bin ich mit dem Zug hierher gefahren. „Off Peak“ hin und zurück für nur 9.40 Pfund inklusive Fahrradmitnahme. „Excuse me Lady, when is offpeak period please?“ „Now!“ – „…..ahhhh, ….thank you!“

Mein erstes Ziel muss ich nicht lange suchen. Schon in Sichtweite vom Bahnhofsvorplatz erkenne ich das markante Gebäude. Daneben das Segelschiff Discovery. Gegensätze können nicht größer sein. Beide zusammen ein Blickfang der nicht loslässt. Aber Obacht beim Überqueren der Straße. Erst nach rechts schauen! Schon zwei mal gab es während meiner Zeit hier in UK eine „Beinahe-Situation“. Das Autofahren im Linksverkehr, – kein Problem. Als Fußgänger verliert man schnell die Konzentration auf den Straßenverkehr. Vielleicht auch den Respekt.

Das V&A Dundee, einziges Victoria & Albert Museum außerhalb Londons. Wie der Bahnhof auch, Teil des über ambitionierte 30 Jahre angelegten Reformierungsprojektes zur Modernisierung der alten Hafenanlagen. Der Stadt am River Tay, die gleichermaßen über eine hohe Anzahl beeindruckender historischer Gebäude verfügt, soll ein modernes Erscheinungsbild verliehen werden. Aus meiner Sicht und an dieser Stelle: Gelungen!

Das Museumsgebäude wurde gestaltet von Kengo Kuma und seinem Team japanischer Architekten.
Fakten: Die einzigartige Betonfassade besteht aus ca. 2.500 bis zu 4 Meter breiten Elementen. Sie wurden den Kliffs der britischen Steilküsten nachempfunden. Beheizt und gekühlt wird der Gebäudekörper durch Erdwärme.

Das V&A ist ein Museum mit einer ständigen Design-Kollektion. Schwerpunkt ist das kreative Schaffen schottischer Designerinnen und Designer der Vergangenheit und Gegenwart. Von innen genauso beeindruckend werden Exponate zu Architektur, Interieur, Mode, Schmuck und anderen kreativen Spielarten präsentiert. Konzept ist, jede Altersgruppe anzusprechen und zu begeistern. Ein familienfreundliches Museum. Der Eintritt ist frei, nur für die Sonderausstellungen muss man in die Tasche greifen.

Besonders angesprochen hat mich der „Oak Room“ Ein Meisterstück der schottischen Design Ikone Rennie Mackintosh. Staff-Mitglied Judie erklärt mir so engagiert und lebendig jedes Detail als ob ich heute der erste Besucher in dem Ausstellungsraum sei. – Sicherlich nicht, tea time ist schon vorbei. – Den Tee und die Scones mit clotted Cream und Strawberry Jam hätte ich gerne in diesem hölzernen Tearoom aus dem 19. Jahrhundert eingenommen. Judie erzählt mir, jahrzehntelang hat das heutige Kronjuwel vom V&A zerlegt unbeachtet in Mackintosh`s Heimatstadt Glasgow überdauert.

Das Design erinnert mich sehr an japanische Innenarchitektur. Die intensiven Farben der ansonsten dezenten Beleuchtung unterstreichen das dunkel gebeizte Braun der Hölzer. Als soll das Geheimnis unter uns bleiben zeigt mir Judie leise eine versteckte unbehandelte und somit noch helle Stelle der Eichenverkleidung. Ich weiß jetzt mehr als andere. Und beobachte später, ob sie den weiteren Besuchern unser Geheimnis auch zeigt. Hat sie nicht. Aber sie war weiterhin genauso nett und erzählfreudig. Es gibt noch gutes Personal, – ist aber schwer zu finden!

Es bleibt mir noch ein wenig Zeit für einen kurzen Blick ins Towncenter und in ein weiteres Museum zur Stadtgeschichte. Dundee ist sehenswert. Und an diesem beinahe heißen Sommertag hätte mein Bruder Olaf sicherlich angemerkt: „hier wird wieder überall versucht, Australien zu imitieren“. Mit diesem Statement kommt Dundee auf die Liste der Wiederholungsstädte.

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