Gelernt ist gelernt

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In Hillswick komme ich an dem alten St. Magnus Bay Hotel vorbei. Ein imposantes Gebäude aus Holz, gebaut 1902. Diese Größe und die Architektur, für diese Gegend sehr ungewöhnlich. Bei nebelig trüber Sicht gehen mir alte Hitchcock-Filme durch den Kopf. Es vermischen sich spontan verschiedene Szenen aus unterschiedlichen Filmen. Und natürlich auch das Messer hinter dem Duschvorhang und dem unverwechselbaren Geräusch dazu.
Schon längst vorbeigefahren denke ich darüber nach, wie das Gebäude von innen aussehen könnte. Ich drehe um. Zeit für Kaffee und Kuchen.

Das Foyer ist mit Teppichboden ausgelegt. Wände und Decke holzvertäfelt. Der Kristallkronenleuchter kann sich kein besseres Ambiente wünschen um sich glänzend davor abzuheben.

An der Rezeption ist niemand anzutreffen. Ich gehe gleich durch bis zur Hotelbar. Ein Mann vor seinem Bier an der Theke nickt mir zu. Er sieht nicht nach einem Hotelgast aus. Ein „Local“, wie sich später herausstellt. Die anderen beiden Gäste im Schankraum sind Hotelgäste. Sie warten auch schon länger auf den Thekenmann. Der Local, wie sich noch später herausstellt ein ehemaliger Fischer, gibt den Tipp, mal ordentlich auf die Rezeptionsklingel zu hauen. Die anderen wartenden Gäste sind bereits etwas ungeduldig. Ich jedenfalls hätte mich noch ein wenig geduldet und umgeschaut in diesem besonderen Ambiente.
Das Klingeln zeigt aber schnell Wirkung. Ein Mann erscheint hinter der Theke. „What can I do for you“? 


Für meinen Kaffeewunsch angelt der Barkeeper eine große Tasse vom Regal und fasst dabei, damit sie bloß nicht herunterfällt, mit dem Daumen außen und den anderen Fingern in der Tasse an. Sicher ist sicher!

Ich begehe den Fehler und frage nach Kuchen. Aus dem Kühlschrank holt er eine Kuchenplatte, abgedeckt mit einer durchsichtigen Haube. Darunter Creamballs. Ich nicke. Er lüftet die Haube, nimmt mit bloßen Fingern ein Exemplar heraus und legt es mir auf einen Teller. Gelernt ist gelernt!
Ich begehe den nächsten Fehler und frage nach einer Gabel. Man ahnt es schon, kann es sich aber eigentlich kaum vorstellen. Mit dem Griff voran und den Fingern fest an den Zinken reicht er mir das Besteck.
Der Mann hinter der Theke versteht sein Handwerk. Er heißt Paul. Und er ist der Chef des Hotels. stellt sich am Ende heraus.

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4 Antworten

  1. Manuela
    Die Fingerprints sind gefühlt gruseliger als das, was hinterm Duschvorhang geschieht. Du bist echt tapfer!
  2. Nici
    Hey Mario, bevor ich den Text in Gänze gelesen habe, habe ich auch bei dem Foto als erstes an Bates Motel gedacht. Und musste bei der Lektüre über den bartender dann schallend lachen, slapstick pur ….. herrlich. Bitte einfach mehr davon. Ich hoffe der Appetit ist nicht verloren gegangen. :)) Liebe Grüße, Nici

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